GVA - Handeln für Wettbewerb - page 8-9

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Funktionieren des freien Kfz-Service-Marktes
erforderlich ist. Über die allgemeinen Funkti-
onen des Großhandels (Sortimentsfunktion,
Feinverteilung und Markterschließung) hinaus
ist der Kfz-Teile-Großhandel ein kompetenter
Partner aller Werkstätten mit einem umfassen-
den Leistungsportfolio.
In Deutschland gibt es etwa 47,4 Millionen
Kraftfahrzeuge, die gewartet und repariert
werden müssen. Zahlreiche Teile verschleißen
regelmäßig, beispielsweise müssen Bremsbe-
läge oder Ölfilter von Zeit zu Zeit erneuert wer-
den. Weiterhin werden Ersatzteile zum Zweck
der Unfallreparatur benötigt. Die Wartungs-
und Instandsetzungsarbeiten werden zumeist
nicht vom Fahrzeughalter selbst durchgeführt,
sondern von entsprechend qualifizierten Fach-
betrieben des Kfz-Handwerks (ca. 38.400).
Bei diesen wird unterschieden zwischen Be-
trieben, die dem Vertriebssystem eines oder
mehrerer Automobilhersteller angehören, und
unabhängigen Meisterwerkstätten (ca. 20.950
freie Betriebe). Der Dienstleistungsmarkt,
der Kfz-Aftermarket, unterscheidet sich deut-
lich vom Neuwagenmarkt, dem sogenannten
„Primärmarkt“, und ist von diesem unabhän-
gig. Der Kfz-Teile- und Servicemarkt hat eine
Größenordnung von ca. 41 Milliarden € (inkl.
Lohn), davon entfallen etwa 19,9 Milliarden €
auf Pkw-Komponenten.
Der Kfz-Aftermarket beschäftigt in Europa
etwa 4,6 Millionen Personen in der Produktion
und im Vertrieb von Kfz-Ersatzteilen sowie in
der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen.
Rund 885.000 Unternehmen bieten in der EU
Kfz-Ersatzteile und Serviceleistungen zu wett-
bewerbsfähigen Preisen an und ermöglichen
so bezahlbare Mobilität zum Nutzen der Ver-
braucher.
TEILMÄRKTE
Der Markt für Pkw-Komponenten gliedert sich
in mehrere Teilbereiche, nämlich die Märkte für
Ersatz- und Verschleißteile, für Zubehör, für
Reifen und für Autochemie. Auf jedem dieser
Märkte ist der Independent Aftermarket (IAM)
mit seinen verschiedenen Distributionsstufen
und -wegen aktiv.
Teilmarkt „Ersatz- und Verschleißteile“, z.B.:
Elektrik/Elektronik und Beleuchtung
Bremse
Antrieb
Karosserie/Glas
Abgasanlage
Fahrwerk
Filter
Kühlung/Heizung
Pumpen
Teilmarkt „Autochemie“, z.B.:
Autoreparaturlack
Motoröl
Pflegemittel/Zusätze
Teilmarkt „Zubehör“
Zubehörartikel unterscheiden sich von den üb-
rigen Autoteilen dadurch, dass sie nachträglich
gekauft werden können und nicht mit der Fahr-
tüchtigkeit eines Autos in Zusammenhang ste-
hen, wie etwa mobile Navigationsgeräte, Nach-
rüstsätze für Einparkhilfen, Tagfahrlicht sowie
Kindersitze. Auch die Artikel des Tuningmark-
tes fallen per Definition in den Zubehörbereich.
Der Reifenmarkt
Reifen und Räder werden zunehmend zu sehr
technischen Produkten (Stichwort Runflat-
Technologie). Derzeit konstatieren Branchen-
experten eine Sättigung des Reifenmarktes,
was zu einem scharfen Wettbewerb und ho-
hem Preisdruck zwischen den Vertriebskanä-
len Reifenfachhandel, Autohaus und
Fachmarkt führt. Es lässt sich
auch ein verstärkter Trend
des Reifenfachhandels hin zu neuen Angeboten im
Bereich Autoservice beobachten.
TEILEBEGRIFFE
Zu den Lebensnerven der Unternehmen des Kfz-
Aftermarket gehört die Definition des Begriffes
„Originalersatzteil“ auf Grundlage der Teilequalität
durch die Gruppenfreistellungsverordnung (EG) Nr.
461/2010 („Aftermarket-GVO“). Danach gilt eine
Komponente als „Originalteil“ oder als „Originalaus-
rüstung“, wenn sie den Spezifikationen und Produkti-
onsnormen entspricht, die der Fahrzeughersteller für
die Fertigung von Teilen für den Bau eines Fahrzeugs
vorschreibt. Für den Verordnungsgeber ist also nicht
entscheidend, wer das Teil hergestellt hat. Neben
„Originalteil“ definieren die begleitenden Leitlinien
der „Aftermarket-GVO“ auch den Begriff „qualitativ
gleichwertiges Teil“. Darunter versteht man Kompo-
nenten, die so hochwertig sein müssen, dass ihre
Verwendung das Ansehen des Vertriebsnetzes des
Fahrzeugherstellers nicht gefährdet. Für den Ver-
braucher muss allerdings klar ersichtlich sein, dass
es sich bei einem Teil aus dem freien Markt nicht um
ein Produkt des Fahrzeugherstellers handelt, sondern
um ein Originalersatzteil im Sinne der „Aftermarket-
GVO“. Solche Originalteile können, ebenso wie
qualitativ gleichwertige Ersatzteile, auch von Ver-
tragswerkstätten eingesetzt werden. Der Fahrzeug-
hersteller darf den Betrieben seines Servicenetzes
daher nicht untersagen, solche „Originalersatztei-
le“ oder „qualitativ gleichwertige Ersatzteile“ des
freien Marktes zu verwenden. Auch die gesetzliche
Gewährleistung oder vertragliche Garantiezusagen
dürfen vom Fahrzeughersteller nicht deshalb verwei-
gert werden, weil im Gewährleistungs- oder Garan-
tiezeitraum solche Teile des freien Marktes verbaut
wurden. Lediglich im Rahmen von Rückrufaktionen,
Fehlerbeseitigung oder Kulanz, darf der Fahrzeugher-
steller der Werkstatt vorgeben, welche Teile zu ver-
wenden sind.
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