GVA - Handeln für Wettbewerb - page 10-11

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Teile“ bieten. Viele Teilehändler, Kooperationen (d.h.
Gesellschaften, in denen verschiedene Teilehändler
etwa ihren Einkauf und ihre Marketingaktivitäten bün-
deln) aber auch die Teileindustrie bieten Werkstätten
darüber hinaus Zusatzleistungen wie Werkstattkon-
zepte oder Schulungen an.
DAS PROFIL UND DIE POSITIO-
NIERUNG DES FREIEN KFZ-TEILE-
HANDELS
Der freie Kfz-Teile-Großhandel ist eine mittelstän-
disch strukturierte Branche, die aus rund 500 Un-
ternehmen besteht. Hinzu kommen vor allem auf der
Einzelhandelsebene bis zu 2.500 weitere Händler.
Die Branche hat in Deutschland über 50.000 Be-
schäftigte. Der Wettbewerbsdruck zwischen den Un-
ternehmen ist enorm. Seit Jahren ist der Markt von
Verdrängung und Konzentration geprägt, und in der
Folge verändern sich auch die Lieferbeziehungen. Die
strikte Trennung zwischen dem überregional tätigen
Vollsortimenter, der Produkte direkt vom Teileher-
steller bezieht, und dem Sortimentsgroßhandel in der
Region, der seinerseits die Feinverteilung in Richtung
Werkstatt oder lokalem Groß- und Einhandel sicher-
stellt, ist heute weitgehend aufgehoben.
Der freie Teile-Großhandel mit ca. 30.000 Beschäftig-
ten bietet seinen Kunden:
ein großes Ersatzteilsortiment mit Ersatzteilen
passend für alle Fahrzeugmarken („One-stop-
shopping“)
ein dichtes Versorgungsnetz, Lieferung mehr-
mals täglich
Zentrallager (Kooperationen/Teilegroßhändler)
Zielgruppengerechte Sortimentsgestaltung
Elektronische Teilekataloge und IT-Lösungen
Fachpersonal zur Beratung/Schulung der Kun-
den, technische Informationen
Werkstatt-/Fachhandelskonzepte
Nachfrage - Hebel (upstream)
OE-Teilehersteller werden vertraglich oder de facto gehindert
- den IAM mit Ersatzteilen zu beliefern
- Vertrags-Händler/ -Werkstätten direkt zu bedienen
- ihre Marke auf den in die Neuwagen eingebauten
Komponenten anzubringen
Automobilhersteller
Angebots - Hebel (downstream)
Vertrags-Händler/ -Werkstätten werden vertraglich oder
de facto gehindert
- Ersatzteile vom IAM zu beziehen
- Ersatzteile an freie Reparateure zu verkaufen
Verbraucher - Hebel
- Verlust der Garantie, falls Autobesitzer IAM-Ersatzteile
verwenden oder Reparatur und Wartung von „freien“
in Anspruch nehmen
- „Originalteile“ - Werbekampagne zur qualitativen
Diskreditierung von IAM-Ersatzteilen
- „connected car“ übermittelt Daten an Automobil-
hersteller (exklusiv)
Informations - Hebel
Weigerung „wesentliche“ technische
Informationen zur Verfügung zu stellen, die
erforderlich sind, damit ....
... auch freie Reparateure
Autos warten und reparieren
können.
... auch konkurierende Dritte
- Fahrzeug-kompatible Ersatzteile und
- Reparatur- und Diagnosegeräte
anbieten können
Der freie Kfz-Ersatzteilhandel im
wettbewerblichen Spannungsfeld
AUFGABEN/FUNKTIONEN DES
TEILE-GROSSHANDELS
Der Großhandel in Deutschland gehört naturgemäß
zu den eher wenig wahrgenommenen Wirtschafts-
bereichen. Als Bindeglied zwischen Herstellern und
dem Point of Service erfüllt er seine Funktionen weit-
gehend „unsichtbar“ für den Verbraucher.
In seiner Mittlerrolle zwischen Herstellern und Ein-
zelhandel/Handwerk kann der Großhändler einen
wichtigen Beitrag zur Optimierung der gesamten
Wertschöpfungskette leisten. Dabei geht es vor al-
lem um die bestmögliche Nutzung aller vorhandenen
Ressourcen (Know-how, Infrastruktur) sowie den
technologieunterstützten Einsatz innovativer Be-
schaffungs- und Vermarktungskonzepte. Ohne den
Großhandel wäre eine fein abgestimmte Arbeitstei-
lung nur schwierig durchführbar. Unternehmen, die
die Dienstleistungen des Großhandels nutzen, ist es
möglich, Kosten zu senken. Geringere Kosten erhö-
hen die Rentabilität und schaffen zusätzliche Investi-
tionspotenziale.
Der freie Kfz-Teilegroßhandel sieht seine Aufgabe
darin, seinen Kunden ein markenübergreifendes Sor-
timent an Produkten und Dienstleistungen im Kfz-
Aftermarket anzubieten. Ein ausgefeiltes Logistiknetz
sorgt für kurze Lieferzeiten.
DIE RAHMENBEDINGUNGEN DES
WETTBEWERBS IM KFZ- AFTER-
MARKET
Die Rahmenbedingungen für die Unternehmen des
freien Kfz-Teilehandels sind vielfältig. Zum einen
unterliegen die Unternehmen aufgrund ihres Pro-
dukt- und Dienstleistungssortiments einer Vielzahl
gesetzlicher Anforderungen aus sehr unterschiedli-
chen Bereichen. Darüber hinaus steht der freie Markt
im Wettbewerb mit den Fahrzeugherstellern und de-
ren Aftersalesprodukten und –dienstleistungen. Die
Fahrzeughersteller verfügen über enorme Markt- und
Kapitalmacht sowie über einen starken politischen
Einfluss, der nicht selten genutzt wird, um der „un-
geliebten“ Konkurrenz des freien Kfz-Teilemarktes
die Teilnahme am Wettbewerb zu erschweren. Der
GVA tritt als ein Anwalt der Interessen des freien Kfz-
Teilehandels und der Verbraucher auf und vertritt die
Branche ggf. auch wettbewerbsrechtlich. Die Unter-
nehmen der Branche sehen sich darüber hinaus aber
auch innerhalb des freien Kfz-Teilemarktes in einem
scharfen Wettbewerb. Die Werkstätten als größte
Kundengruppe des freien Kfz-Teilehandels können
als „König Kunde“ in der Regel aus einer Vielzahl
von Lieferanten wählen. Die Unternehmen des freien
Teilehandels müssen, um diesen Kundenanforderun-
gen gerecht zu werden, ihren Kunden „mehr als nur
Grafik nach: Gefährdung der „Wettbewerbsfreiheit“im Kfz-Ersatzteil- und Reparaturmarkt (Quelle: Gerhard Riehle Consulting)
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