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JMV und Kongress 2012


GVA-Präsident Hartmut Röhl
GVA-Präsident Hartmut Röhl

Zahlreiche Top-Entscheider aus dem Kfz-Teilehandel und der Kfz-Teileindustrie nutzten auch in diesem Jahr die Möglichkeit, sich auf der GVA-Jahresmitgliederversammlung (JMV) und dem anschließenden Kongress über verbandspolitische Themen zu informieren und sich über die aktuelle wirtschaftliche Lage im Kfz-Aftermarket auszutauschen.

Den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung Ende Oktober bildete die Jahresmitgliederversammlung des GVA. Der Rechenschaftsbericht des Präsidenten und der Geschäftsführer bilanzierte wichtige Abschnitte der wettbewerbspolitischen Arbeit des ablaufenden Jahres vorzustellen. Darüber hinaus wurden verbandsinterne Entscheidungen für das Jahr 2013 getroffen. Der GVA wird auch im kommenden Jahr gut aufgestellt die Interessen der Unternehmen des Independent Aftermarket und der Verbraucher vertreten können.


Am zweiten Tag der Veranstaltung fand der wieder einmal gut besuchte GVA-Kongress 2012 statt. Der Verband konnte einmal mehr ein breites Themenspektrum und interessante Referenten präsentieren. Traditionell möchte der GVA den Kongressteilnehmern einen Blick über den Tellerrand des eigenen Unternehmens ermöglichen und zukünftige Trends für die Branche präsentieren.

Den Auftakt machte Herr Dr. Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. Er hatte seine Ausführungen unter den Titel „Zukünftige Anforderungen an die Mobilität und deren Auswirkungen auf das Aftersales-Geschäft“ gestellt. Herr Dr. Becker leitete seinen Vortrag mit einer Analyse der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen ein. Dazu zählt er u.a. die globale Krise der Banken und der Finanzmärkte, die Schuldenkrise, die strukturelle Wachstumskrise der „alten Welt“ sowie zunehmend sichtbare Schwächen tradierter marktwirtschaftlicher Entscheidungs- und Lösungsmechanismen. Die Automobilindustrie schätzt er auch als zukünftige Wachstumsindustrie ein, gleichzeitig konstatierte der Referent eine gewisse Sättigung in den westlichen Märkten, so auch in Deutschland. Hierzulande wird deshalb anstelle des Neubedarfs der Ersatzbedarf treten mit einem harten Verdrängungswettbewerb auf allen Marktstufen. Wenngleich er die deutsche Automobilindustrie als gut vorbereitet auf zukünftige Herausforderungen beurteilt, sieht der Wirtschaftsexperte dennoch externe Einflussfaktoren auf die moderne Mobilität, die gemeistert werden müssen. In der Bundesrepublik ergeben diese sich vor allem aus der demografischen Entwicklung und den sich ändernden Anforderungsprofilen der Verbraucher. So legen gerade junge Menschen immer weniger Wert auf den ehemals statusträchtigen Besitz eines Fahrzeugs. Für das Aftersales-Geschäft in Deutschland präsentierte der Referent sowohl Chancen als auch Risiken. Auf der Seite der Risiken verortet er u.a. die zunehmende Qualität der Neuwagen die eine längere Nutzungsdauer ermöglicht, die sinkende durchschnittliche Fahrleistung sowie eingeschränkte Mobilitätsbudgets der Verbraucher. Demgegenüber resultiert aus dem steigenden Durchschnittsalter des Fuhrparks eine höhere Reparaturanfälligkeit, und das steigende Durchschnittsalter der Verbraucher in Folge des demografischen Wandels erhöht die Sicherheitsbedürfnisse. Darüber hinaus sieht er bei den Kundenbedürfnissen eine zunehmende Komfortneigung. Das birgt Chancen etwa für neue Kommunikations- und Vernetzungswege. Vor diesem Hintergrund zog Herr Dr. Becker als erster Referent des GVA-Kongresses dann auch ein recht zuversichtliche Fazit: Die Menschen werden auch weiterhin Interesse an individueller Mobilität haben und die Automobilwirtschaft wird - wie bereits bisher schon - kommende Herausforderungen durch ihre Innovations- und Anpassungskraft meistern.

Der zunehmenden Vernetzung des Automobils und deren Folgen für den Aftermarket widmete Herr Prof. Dr. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sein Referat. In der CAR-IT sieht Prof. Diez einen echten Wachstumstreiber. So wird die Zahl der „vernetzten“ Fahrzeuge bis zum Jahr 2016 weltweit auf über 200 Mio. Einheiten steigen, und über 80 Prozent aller Neuwagen werden „connected“ sein. In-Car Internet-Anwendungen werden darüber hinaus in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. So wird für Nordamerika damit gerechnet, dass 30 Prozent der im Jahr 2015 verkauften Neufahrzeuge internetfähig sein werden. Der Weltmarkt für Informations- und Kommunikationsanwendungen wird nach Schätzungen von Diez‘ Institut für Automobilwirtschaft auf ein Umsatzvolumen von 200 Mrd. Euro anwachsen. Darunter fallen z.B. Fahrerassistenz-, Fahrerüberwachungs-, Verkehrsinformations- sowie Kommunikationssysteme. Für die Unternehmen des Independent Aftermarket ist entscheidend, dass sie nicht aus diesem Geschäftsbereich ausgeschlossen werden können. Diese Ausführungen von Herrn Prof. Diez bilden einen Anknüpfungspunkt an die Arbeit des GVA. Der Verband setzt sich für faire rechtliche Rahmenbedingungen im gesamten Kfz-Aftermarket ein. Exemplarisch zeigt sich das im GVA-Engagement beim Thema Telematik. Hier kämpft der GVA für standardisierte Schnittstellen, die auch für die Akteure des freien Marktes und deren Anwendungen zugänglich sein müssen.
Doch auch für die Fahrzeughersteller sieht Prof. Diez durch die fortschreitende technische Entwicklung durchaus Gefahren. Innovations- und finanzstarke Technologiekonzerne aus dem Unterhaltungs- und Kommunikationsbereich könnten Interesse daran zeigen, eigene Komponenten oder Anwendungen für Fahrzeuge anzubieten. Prof. Diez geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass mit der wachsenden Bedeutung der CAR-IT auch eine Verschiebung in der automobilen Wertschöpfungskette stattfinden kann. Grundsätzlich sieht er durch die weiter zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge und den zunehmenden IT-Anteil aber Wachstumschancen für alle Akteure. 

Arnd Franz, Geschäftsführer der MAHLE Aftermarket GmbH, beleuchtete in seinen Ausführungen die Bedeutung des deutschen Inlandsmarktes für die Fahrzeugteileindustrie. Der freie Kfz-Teilehandel besitzt gerade auch für Teilehersteller mit einem Schwerpunkt in der Erstausrüstung der Fahrzeughersteller eine hohe Relevanz – und das nicht erst seit der Absatzkrise im OE-Geschäft im Jahr 2009. Arnd Franz zeigte in seinem Vortrag verschiedene Trends für die Fahrzeugproduktion und den Servicebereich auf. Er rechnet damit, dass die globale Fahrzeugproduktion weiterhin ansteigen wird, von aktuell 80 Millionen Fahrzeugen (unter 6t) im Jahr 2012 auf über 100 Millionen in fünf Jahren. Für die Unternehmen der Teileindustrie, die in die OE-Erstausrüstung liefern, sind das positive Perspektiven. Besonders Asien wird sich in den nächsten Jahren als Wachstumsmarkt hervortun. So wird sich dort im laufenden Jahrzehnt der Fahrzeugbestand an Pkw und Nfz voraussichtlich nahezu verdoppeln. Die MAHLE Aftermarket GmbH ist global aufgestellt, als wichtige Absatzmärkte gelten für das Unternehmen die USA, Deutschland und China. Ein wachsender Fahrzeugbestand und ein zunehmendes Alter des Fuhrparks sind ebenfalls positiv für die Unternehmen des Kfz-Aftermarket, denn sie versprechen ein höheres Aufkommen bei Wartung und Reparatur. Für die mittelfristige Zukunft sieht Herr Franz die Automobilwirtschaft vor anspruchsvollen Herausforderungen. Besonders der wachsende Elektronikanteil erhöht die Anforderungen bei Service und Reparatur und wird die damit verbundenen Tätigkeiten deutlich komplexer gestalten. Bis vor einigen Jahren war die Fahrzeugelektronik im Wesentlichen auf den Bereich der passiven/aktiven Sicherheitssysteme begrenzt, zwischenzeitlich sind vor allem Fahrersassistenzsysteme dazu gekommen, und neue Herausforderungen z.B. durch Car to Car-Kommunikationssysteme warten auf die Akteure der Automobilwirtschaft.

Eine neue Reparaturkultur forderte Elmar Wenzel von der Trainmobil Trainings für Praktiker GmbH im Abschlussvortrag des diesjährigen GVA-Kongresses ein. Angesichts wachsender technischer Herausforderungen für den IAM muss der freie Teilemarkt neue Wege beschreiten, um weiterhin erfolgreich zu sein. Exemplarisch machte Herr Wenzel diese Entwicklungen an der Fahrzeugdiagnose der letzten zwanzig Jahre fest. Während Anfang der 1990er Jahre Fehler noch mittels eines Phasenprüfers diagnostiziert werden konnten, erreichte die Fehlerauslese im Jahr 2000 durch die verbindliche Einführung von OBD eine weitere Entwicklungsstufe. Die Einführung von Daten-Bus-Systemen vereinfachte den Informationsaustausch im Fahrzeug, da nur noch eine Leitung nötig war, die die verschiedenen Teilsysteme miteinander verknüpfte. Aktuell dreht sich die Fahrzeugdiagnose vor allem um Begriffe wie Euro5-Schnittstelle, Passthru und das Flashen von Steuergeräten. Hier liegen die Herausforderungen für die Akteure des Kfz-Servicemarktes. Man unterscheidet bei der aktuellen Online-Diagnose drei Teilegebiete: die Servicefunktion, die Diagnosefunktion sowie die Programmierung. Für die Servicebetriebe gilt es, gut gewappnet zu sein. Herr Wenzel fasste das unter dem Begriff einer neuen Reparaturkultur zusammen. Dazu zählen für ihn veränderte Werkstattstrukturen, eine andere Kundenansprache und eine effektive Werkstattorganisation. Der Prozess führt sogar zur Ausbildung neuer Berufsbilder wie das des Diagnosetechnikers.

Die Vorträge der Referenten wurden wie die gesamte Veranstaltung von den Teilnehmern positiv bewertet. Die nächste GVA-Jahresmitgliederversammlung mit anschließendem Kongress findet am 15./16. Oktober 2013 statt. 
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